ABB-Motoren treiben die steilste Standseilbahn der Welt an

17. Dezember 2017 – ABB schreibt langjährige Erfolgsgeschichte in der Schweizer Bergbahn-Technologie fort.
Die weltweit steilste Standseilbahn führt über eine Strecke von 1700 Metern und wurde in den Schweizer Alpen in Betrieb genommen. Die beiden Wagen können jeweils 136 Personen transportieren und werden von Elektromotoren angetrieben, die ABB konstruiert und gebaut hat.

Die neue Standseilbahn wurde am Samstag in Betrieb genommen und ersetzt die alte Bahn zwischen Schwyz und Stoos aus dem Jahr 1933. Von der Talstation Schlattli im Kanton Schwyz bis ins Skigebiet der Bergstation Stoos überwindet die Bahn eine Neigung von 110 Prozent. Das entspricht einem Winkel von fast 48 Grad.

Die futuristisch aussehenden Wagen sind so konzipiert, dass die trommelartigen Fahrgastkabinen die wechselnde Neigung ständig ausgleichen. So werden die Kabinen während der Fahrt trotzt des extrem steilen Gefälles immer in der Horizontalen gehalten.


Bild der Stoosbahn

ABB verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Transportlösungen, um Schweizer Berggipfel jedermann zugänglich zu machen. Das Unternehmen lieferte die beiden 1,2-Megawatt-Niederspannungsmotoren, die die neue Stoosbahn antreiben.

Die Bahn fährt mit einer Geschwindigkeit von 10 Metern/Sekunde und kann bis zu 1500 Fahrgäste pro Stunde in jede Richtung befördern. Eine Fahrt dauert 3-5 Minuten. Zwei energiesparende Frequenzumrichter garantieren eine stufenlose Drehzahlregulierung.

„Im Vergleich zur alten Bahn bedeutet dies eine Verdopplung der Geschwindigkeit und der Beförderungskapazität“, sagt Ueli Spinner, Leiter Vertrieb Grosskunden und Service bei ABB.


Einer der beiden ABB-Motoren im Maschinenraum der Stoosbahn.

Die extreme Steigung auf der Strecke, die durch drei Tunnels und über zwei Brücken führt, stellte das Projekt mit einer Bauzeit von fünf Jahren vor grosse Herausforderungen.
„Es freut uns sehr, dass wir für unseren Kunden zwei massgefertigte Hochleistungsmotoren mit ABB-Technologie installiert haben“, sagte Spinner. „Die Bahn benötigt zum Anfahren aussergewöhnlich viel Energie, weil die Strecke sowohl bei der Talstation als auch bei der Bergstation zunächst ansteigt.“

Zusätzlich zur touristischen Bedeutung stellt die Bahn die Grundversorgung der gesamten Infrastruktur für den Stoos und das autofreie Dorf mit seinen 150 Einwohnern sicher.

125 Jahre wegweisende Bahntechnologie in den Schweizer Alpen
ABB verfügt über viele Jahre Erfahrung, um die Herausforderungen zu bewältigen, die der Transport von Menschen und Waren durch die Schweizer Alpen mit sich bringt. ABB-Technologie wird heute in zahlreichen Transportmitteln in den Bergen eingesetzt, angefangen von Skiliften und Sesselliften über Kabinenbahnen bis zu Seilbahnen und Zügen.

Bereits im späten 19. Jahrhundert lieferte ein ABB-Vorgängerunternehmen die wichtigste Technologie für die Rhätische Bahn – die erste elektrische Bergbahn in der Schweiz. Aufgrund der Steilheit, der unwegsamen Topographie und extremen klimatischen Bedingungen im Kanton Graubünden in den Zentralalpen mussten der Bahnverkehr und die Züge höchsten technischen Ansprüchen gerecht werden. ABB lieferte praktisch alle elektrischen Komponenten für die Antriebseinheiten und einen Grossteil der Bahnstromversorgung. Der hohe Berninapass, den die Rhätische Bahn mit dem Bernina-Express heute mit moderner ABB-Antriebstechnologie überquert, wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Bei der weltberühmten Jungfraubahn, einer 9 Kilometer langen Zahnradbahn, die im Jahr 1912 in Betrieb genommen wurde, war ABB für die Elektrifizierung zuständig und machte diese Reise somit erst möglich. ABB-Technologien sorgen heute dafür, dass die Züge der Jungfraubahn auch bei heftigem Schneefall über eine Million Menschen jährlich zum Jungfraujoch, dem mit 3.454 m.ü.M. höchstgelegenen Bahnhof Europas, transportieren können.

Bergbahntechnologie schreitet weiter voran
Motoren und Umrichter von ABB sind auch in der Urdenbahn unerlässlich. Dabei handelt es sich um ein Seilbahnsystem, das seit 2014 in dem riesigen Wintersportgebiet Arosa-Lenzerheide im Einsatz ist.

Mit einer Länge von 1700 Metern ohne einen einzigen Stützpfeiler ist sie eine der längsten Seilbahnen in der Schweiz. Sie hat eine Nutzlast von 150 Personen pro Kabine und kann 1700 Menschen pro Stunde in jede Richtung befördern. Da die zwei Pendelbahnen parallel verlaufen, aber unabhängig voneinander betrieben werden, können sie sich flexibel an das Passagieraufkommen anpassen. Auf diese Weise werden Kosteneinsparungen und eine höhere Energieeffizienz erzielt.

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel für die Anwendung von ABB-Innovationen in Skigebieten sind die Motorantriebe, die für die Kabinenbahn zwischen dem Ferienort Engelberg und der Standstation auf dem Tiflis unweit von Luzern verwendet werden. Die Anlage beinhaltet die Rotair, die weltweit erste Drehseilbahn, die 2014 in Betrieb genommen wurde. Die Rotair-Bahn dreht sich während der fünfminütigen Fahrt um 360° und bietet sowohl Wintersportfans als auch Sommertouristen einen fantastischen Panoramablick.

Die Schweizer Alpen sind schon seit vielen Jahren ein „Testgelände“ für ABB-Technologien, ehe diese dann rund um den Globus zum Einsatz kommen. Jetzt zählt auch die Stoosbahn zur Schweizer ABB-Familie der führenden alpinen Transporttechnologien.