«Tunneltag» regt konstruktiven Dialog an

26. September 2017 – An der Kundentagung in Dättwil zum Thema Tunnelausrüstung erhitzte der Austausch zwischen Behörden, Planer und Technologielieferanten die Gemüter. Auf grosses Interesse stiessen die Vorträge «Tunnel 4.0» und «Cyber Security in Leitsystemen».
Mit dem Gotthard-Basistunnel wurde letztes Jahr der längste Tunnel der Welt eröffnet. ABB-Technologie sorgt für die Elektrifizierung, Belüftung und Entwässerung der Rekordröhre durch die Alpen. Nicht zuletzt wegen des erfolgreichen Projekts «Gottardo» geniesst ABB heute vermehrt die Aufmerksamkeit von Tunnelausrüstern, Bauherren und Visionären. So zog die ABB-Kundentagung «Tunneltag» Ende September über 40 Kunden nach Dättwil.

Mario Drinovac, Leiter Control Technologies von ABB Schweiz, gab an der Kundentagung einen Überblick über das ABB-Portfolio in der Tunnelausrüstung. «ABB-Lösungen kombinieren grosses Domänenwissen mit viel technologischem Know-how», bringt Drinovac die Vorteile von ABB auf den Punkt. Ausserdem vereine das ABB-Portfolio seit dem Zukauf der Firma B&R alle Sparten der Automation – womit ABB eine einzigartige Position im Mark einnehme. Somit sei ABB heute wie auch in Zukunft der richtige Partner im Tunnelinfrastrukturgeschäft.

Tunnel 4.0
Das Referat von Philipp Büchi, Bereichsleiter Strassenverkehr der AWK Group, war ein Highlight der Tagung. Unter dem Titel «Tunnel 4.0» sprach Büchi darüber, wie Daten aus Tunnelsystemen in Zukunft besser verwertet werden können. «Wir müssen das Silo-Denken durchbrechen und Daten aus verschieden Quellen kombinieren», appelliert Büchi. Er will in Zukunft statische Daten aus dem Bau, die vielleicht sogar nur in Papierform bestehen, mit dynamischen Betriebs- und Verkehrsdaten kombinieren, um den Tunnelbetrieb zu optimieren und beispielsweise mit Predictive Maintainance dafür zu sorgen, dass die Ausrüstung noch länger und zuverlässiger funktioniert und gleichzeitig weniger Wartungsaufwand verursacht.

Cyber Security als Prozess
Ebenfalls auf grosses Interesse stiess der Vortrag von Michael Wahler, Gruppenleiter Software Systeme am Forschungszentrum von ABB in Dättwil, dessen Team im Bereich Datenverschlüsselung forscht. Mit eindrücklichen Beispielen zeigte er auf, wie wichtig Cyber Security in unserem Alltag ist und wie ABB ihre Systeme gegen digitale Angriffe schützt. Da Tunnels stark digital vernetzt sind, ist Cyber Security für die Tunnelausrüstung ein wichtiges Thema. Man stelle sich vor, was passiert, wenn sich ein Hacker in einen Tunnel einwählt und zum Beispiel das Licht ausschaltet. «Cyber Security ist kein Zustand, sondern ein Prozess», bringt Wahler seine wichtigste Aussage auf den Punkt. «Es werden immer wieder neue Sicherheitslücken in Systemen entdeckt. Darum muss der Schutz vor Hacks und Cyber-Attacken fortlaufend verbessert werden.» ABB arbeite nicht nur kontinuierlich am Schutz ihrer bereits bestehenden Systemen, sondern investiere auch kräftig in die Forschung und Entwicklung neuer, innovativer Cyber Security Technologien, erklärte Wahler.


Michael Wahler, Gruppenleiter Software Systeme am Forschungszentrum von ABB in Dättwil, referiert über Cyber Security.

Praktische Herausforderungen im Tunnelbau
Marcel Berner, Fachspezialist für das Management der Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen im Tunnelbau, brachte den Standpunkt des Bundesamts für Strassen (ASTRA) ein. Er zeigte Fotos von eindrücklichen Installationsungenauigkeiten und Pfusch von Handwerkern im Tunnelbau und holte so die Veranstaltung auf den Boden der Realität und die praktischen Herausforderungen im Tunnelbau zurück.

Dialog zwischen Behörden, Planer und Technologielieferanten angeregt
In einer Podiumsdiskussion debattierten Vertreter der Behörden, Planer und Ralf Rösch, als Vertreter von ABB als Technologielieferantin, über die Frage: «Wie bringen wir mehr Innovation in die Tunnelausrüstung?» Schuldzuweisungen auf beiden Seiten schlugen bald in eine konstruktive Diskussion um und das Publikum beteiligte sich lebhaft. Der Dialog zwischen Behörden, Planer und Technologielieferanten, der am «Tunneltag» regelrecht entzündet wurde, wird sich hoffentlich in den nächsten Monaten weiterziehen. So darf die Vernetzung der Akteure als Erfolg des Tunneltags verstanden werden.


Das Podiumsgespräch entwickelte sich zu einem konstruktiven Dialog zwischen verschiedenen Interessensgruppen.

Modulare Energieversorgungsanlagen: ein Vorteil für Tunnels
Jochen Horn, Leiter Product Marketing bei dem Geschäftsbereich Mittelspannungsprodukte von ABB Schweiz, erklärte in seinem Vortrag, wie Energieversorgungsanalgen und Trafostationen in Tunnels modular eingebaut werden können. Dabei berief sich Horn auf ein Projekt in der Ostschweiz, bei dem eine Trafostation inklusive Mittelspannungsanlage als Container-Lösung installiert wurde. «Die Modularität hat viele Vorteile. Der Transport und die Installation sind um einiges einfacher als bei herkömmlichen Lösungen», erklärte Horn. Die Installation und Inbetriebsetzung erfolgen bei der modularen Lösung zu einem grossen Teil im Werk. Da diese zwei Vorgänge oft eine Sperrung des Tunnels erfordern, minimiert die Vorarbeit im Werk die Kosten und der Tunnel bleibt länger offen. «Ausserdem kann die Anlage im mobilen Container später an einer anderen Stelle eingesetzt werden», ergänzte Horn.

Live-Demos der Antriebstechnik
Boris Mäder, Leiter Marketing und Verkauf Antriebssysteme von ABB Schweiz, zeigte drei Live-Demos von der digitalen Vernetzung von ABB-Antrieben. So lud er vor dem staunenden Publikum mit seinem Telefon Zustandsdaten von Antrieben in Echtzeit auf die Leinwand. Ausserdem wählte er sich in die Betriebsdaten einer Beschneiungsanlage in Grindelwald ein und zeigte, wie automatisierte Datenvisualisierungen den Betrieb von Antrieben um einiges verbessern können.


Die Gäste beim Networking.

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